Samstag, 23. Mai 2009

Das Kapital

Die meisten Menschen, zumindest hier in den westliche Bundesländern der gerade 60 Jahre alt gewordenen Bundesrepublik Deutschland, werden sich bei diesem Titel wahrscheinlich angewidert abwenden, so sie denn zufällig über diesen kleinen Blog stolpern sollten. Obwohl die meisten von ihnen sich als Antikommunisten berufen fühlen, die Ideen eines Karl Marx in Bausch und Bogen zu verdammen, haben keine Zeile dieses - zugegebenermaßen - nicht gerade geschmeidig zu lesenden Schmöker je zu Gesicht bekommen. Die andern werden vielleicht meine Sorgen um die Natur, die Zukunft der Menschen hier und überall auf der Welt teilen. Das hoffe ich jedenfalls!

Und das Grundübel, dass sowohl für die Vernichtung, Vergiftung und Zerstörung der Natur verantwortlich ist, ist der Kapitalismus in allen seinen Ausprägungen. Ein System, ohne jede Regel, die alles und jeden für käuflich hält und allem irgendeinen imagienären wert beimisst - außer dem Menschen! Der Mensch ist im System des Kapitalismus nicht mehr und nicht weniger als ein Produktions- (wenn er arbeiten kann, weil er einen Arbeitsplatz hat) oder Kostenfaktor (wenn er alt, krank, oder einfach nur arbeitslos ist). Genau diese Terminologie hat sich auch der deutsche Staat zu eigen gemacht und dann mit Hilfe von Konzernmanagern wie Peter Hartz (wegen Untreue und Begünstigung zu 2 Jahren Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt) - Hartz-Konzept, oder Bert Rürup (böse Zungen würden behaupten, er sei einfach nur ein erfolgreicher Lobbyist der Finanz- und Versicherungsbranche) - Rürup-Rente usw. zur Staatsdoktrin erhoben. Zwei typische Manager-Karrieren im Kapitalismus also. Und solchen Leuten vertraut man die Zukunft der Menschen an und die Sicherung der Existenz? Vielen Dank!

Zeitgleich mit dem Niedergang des Kapitalismus im Zuge der Finanzmarkt- und Immobilienkrise, die sich zu einer ausgewachsenen Weltwirtschaftkrise entwickelt hat, besinnen sich die Menschen auf alternative politische Systeme, z.B. den Sozialismus, oder den Kommunismus. Sogar in Japan findet die Kommunistische Partei vermehrt Zulauf (und das will in einem Land, dass sich nach der verheerenden Niederlage im 2. Weltkrieg dem Kapitalismus hingegeben hatte, wie eine überdurchschnittlich großzügig bezahlte Prostituierte ihrem Freier). Sogar das Hauptwerk des Karl Marx, "Das Kapital", wird als Manga-Comic aufgelegt. Ob und wann es davon eine deutsche Version geben wird, konnte ich bis heute leider nicht in Erfahrung bringen. Wer also Hinweise hat - bitte Email an mich! Denn interessant ist es allemal. Wer schon einmal versucht hat diesen Wälzer zu lesen, wird mir zustimmen wenn ich behaupte:" Das Kapital" ist alles andere als leicht verdauliche literarische Kost und der Stoff ist derart schwer, dass man allein vom lesen schon Übergewicht und Diabetes mellitus Typ 2 kriegt!

Ich will jetzt hier nicht über Sinn oder Unsinn kommunistischer Ideen lamentieren. eher steht mir der Sinn danach zu fragen, ob es nicht ein wirklich gerechtes politisches System geben kann, in dem sowohl kapitalistische wie auch kommunistische Elemente Eingang finden können. Denn grundsätzlich muss ich sagen, dass die kommunistischen Ideen an sich nicht schlecht sind. Denn es geht doch in einer Gesellschaft immer darum, auf die Schwächsten Rücksicht zu nehmen. Oder besser gesagt, darum sollte es gehen. Es kann nicht sein, dass die Stärksten und Wohlhabendsten die Marschrichtung und Geschwindigkeit vorgeben und wer dem nicht folgen kann, der hat eben Pech gehabt. So eine Gesellschaft mag vielleicht kapitalistisch sein und derzeit en Vogue. Aber sie ist ungerecht und daher sicher nicht von Dauer. Das man auch aus den kommunistischen Ideen ein ungerechtes System basteln kann, haben die sozialistischen Staaten bis zu ihrem Zusammenbruch genauso bewiesen! Unterdrückung und Terror gegen die eigenen Bevölkerung kann nicht das höchste Staatsziel sein, ebenso wenig, wie die Bereicherung einiger weniger privilegierter Kreise auf Kosten der breiten Masse der Bevölkerung!

Der Kapitalismus ist ein zutiefst unmenschliches und unnatürliches System, weil es darauf aufbaut, sämtliche Ressourcen unserer Mutter Erde auszubeuten und zu verbrauchen. Er nimmt auf menschliches Leben, auf die Natur und Gaia keinerlei Rücksicht, da er alles als handelbare Ware betrachtet und allem einen "Wert" beimessen muss. Der Nationalismus und besonders ausgeprägt in seiner Form des Nationalsozialismus, ist das widerlichste, was Menschen sich als Ideologie ausgedacht haben und zeugt von tiefster Missachtung sowohl des Menschen, als auch der Würde aller lebenden Wesen. Das Joch des Nationalsozialismus abgeschüttelt zu haben, ist wohl eine der bedeutendsten Taten der Menschheit überhaupt.

Der Kommunismus in seinen Grundgedanken dagegen ist nicht unmenschlich. Unmenschlich wurde er erst durch die Menschen, die auf seinen Thesen ihren Herrschaftsanspruch begründeten. Es muss einen Weg geben, der zwischen den Extremen des Kapitalismus und des Kommunismus hindurch führt. Eine Synthese aus beidem, die sowohl den Leistungsgedanken berücksichtigt, als auch das Bedürfnis der Armen nach materieller Sicherheit und Wohlfahrt. Das was man die soziale Marktwirtschaft nennt und für diesen Weg hielt, hat sich unter dem ständigen Einfluss des Kapitalismus zu einer Spielart seiner selbst entwickelt (weiterentwickelt kann man in diesem Zusammenhang nicht sagen). Das Grundübel unserer Gesellschaft ist die Verbindung von Wohlfahrt und Fürsorge mit Leistung, denn Leistung kann nur bringen, wer auch Arbeit hat. Wenn die Arbeit immer weniger wird, koppelt man Millionen von Menschen von der gesellschaftlichen Integration und Entwicklung, von der Kultur und von allem ab, was einen zivilisierten Menschen ausmacht. Muss man sich da wundern, wenn die Gesellschaft, insbesondere das Prekariat sich mit diesem System, dieser Demokratie, diesem Staat nicht mehr identifiziert und sich radikalen politischen Strömungen öffnet? Freilich hat man das grundlegende Problem schon erkannt. Aber außer belanglosem Geschwafel hat man der zunehmenden Arbeits- und Perspektivlosigkeit nichts entgegen zu setzen. Wobei natürlich nicht unerwähnt bleiben darf, dass in unserem Land Arbeit allein schon längst nicht mehr ausreicht, um den sozialen Absturz, oder gar soziale Sicherheit zu garantieren. Die meisten Menschen, die in schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen ausgebeutet werden, sind zusätzlich zur Arbeit auf staatliche Almosen angewiesen, weil ihr Einkommen weder für die ständig steigenden Mieten, noch für die Energiekosten und erst recht nicht für eine ausgewogenen Ernährung, Gesundheitsvorsorge und eine private Absicherung der Alterversorgung reichen!

So betrachtet, braucht man sich nicht über eine Rennaissance linker Ideologien zu wundern. Viele Menschen geben auch heute schon linken Parteien ihre Stimme aus Protest, weil sie vom Kapitalismus enttäuscht sind und sich im Stich gelassen fühlen. Ich kann ihnen das nachfühlen!

weiterführende Links (für alle, die mal reinschnuppern wollen. Aber lasst es Euch gesagt sein, es erfordert starke Nerven und ein erstklassiges Durchhaltevermögen. Kein Wunder, dass man mit solchen Schriften nicht wirklich die Massen von den Sitzen reißen kann, denn der Mensch als Masse ist nicht nur brutal und grausam, er ist auch strohdumm!):

Kommentare:

Noah hat gesagt…

Der kommunistische Grundgedanke ist auch mir nicht unsympathisch. Er rechnet vlt. nicht mit dem Menschen, so wie er wirklich ist (und wohl deshalb ging es schief).

Klar, der Kapitalismus ist keine Alternative. Wettbewerb ist für Entwicklung nötig - aber "gesund" muss er bleiben. Die soziale Marktwirtschaft war kein so übler Ansatz, aber realiter auch nicht so verwirklicht, wie vielleicht gemeint gewesen. Es taugt wohl jedes System nur soviel, wie die Menschen, die es leben.

Thialfi hat gesagt…

Genau das ist es, was ich damit sagen wollte. Es sind die Menschen, die aus einem Wirtschftssystem ein schlechtes Wirtschaftsystem machen (eine Ausnahme bildet hier jedoch der Nationalsozialismus, der ist wegen seiner Menschenverachtung von Grund auf schlecht).
Es grüßet Dich herzlich,
Andrej

Hukwa hat gesagt…

Wir sollten "trotz alledem" nicht vergessen, das wir in europa eine tradition des utopischen sozialismus haben, mit dem sich zu beschäftigen immer noch lohnt. sei dies von william moris bis hin zu ernst bloch oder noch tiefer von platon bis zu bacon, ich lese gerade mal wieder im "prinzip hoffnung" und kann bis heute nicht verstehen wieso dieses werk von bloch auf so wenig ressonanz allgemein getroffen ist. ich möchte es einmal so ausdrücken, ich selbst bin kein marxist, aber ohne den alten marx würde einfach was fehlen. die dauernde auseinandersetzung mit seiner lehre kann letztendlich nur positiv sein, wenn man eben kritisch vorgeht.
gruß hukwa

Thialfi hat gesagt…

Das sehe ich ähnlich wie Du Hukwa. Auch ich bin kein Marxist im Wortsinne. Aber wenn MArx nicht die Probleme der Arbeiterschaftund die Bedrohung durch das Kapital thematisiert hätte, wer weiss, wo wir heute stünden? Vermutlich wäre die Sklaverei schon wieder eingeführt worden, um den Konzernen die Massen an willen- und rechtlosen Arbeitern zu liefern, die sie brauchen, um sich dumm und dämlich zu verdienen!
Gruß von Thialfi

Gernot H. hat gesagt…

Im Moment lese ich lieber Darwin als Marx, aber ohne mich länger mit dem hochinteressanten Thema auseinandergesetzt zu haben, kommen mir spontan Zweifel ob ein humaner Kapitalismus oder Kommunismus die Lösung unserer Probleme wäre - wirkliche Nachhaltigkeit sehe ich in keinem der Systeme verwirklicht und da schweifen meine Gedanken wieder zu den Abrahamitische Religionen und ihren Vorgaben- und dann wird die Sache schwierig und heikel...

Alles Gute

Thialfi hat gesagt…

Ich verstehe, was Du meinst, Gernot. Das größte Problem ist wahrscheinlich immer und überall der Mensch Wenn es um Politik geht, sinddie an der Macht in der Regel nicht bereit, diese zu teilen, oder gar abzugeben. Besonders dann nicht, wenn sie sich für diejenigen halten, die den Stein der Weisen gefunden zu haben glauben.
Ablösung des Kapitalismus in Deutchland durch einen menschlichen Kommunismus, in welcher Form auch immer, wird es sicher nicht geben. Man wird das schon zu verhindern wissen. Und selbst wenn, besteht, wie gesagt, die Gefahr, dass bei einer kommunistischen Regierung siese nur mehr mit Gewalt von der Macht zu entfernen ist. Wer will das schon? Ich nicht!
Was ich will, ist Gerechtigkeit für alle Menschen, auch und gerade für die, die keine Lobby haben und auch sonst auf Grund ihrer persönlichen Situation nicht in der Lage sind, sich der "Errungenschaften" des Kapitalismus zu erfreuen. Das wird nur dann möglich, wenn die regierenden Politiker an der Unzufriedenheit der Menschen erkennen können, dass sie eine Politik, wie sie derzeit (gegen das Volk und seine Interessen) stattfindet nicht mehr durchsetzen können, weil sie sonst an der Wahlurne einen Tritt in den breiten Arsch bekommen.
+Ja, ich bekenne mich schuldig! Ich habe schon gewählt (Briefwahl) und ich bin Protestwähler.
Das man Politik machen kann, indem man in eine etablierte "Volks"partei eintritt und dann dort "demokratisch mitarbeitet" und an der Meinungsnbildung teil hat, ist wohl eher ein Gerücht. Als Seiteneinsteiger hast Du nur dann eine Chance, wenn Du Dich auf das "bewährte" Machtspiel der Seilschaften einlässt - "Kratz Du mir den Rücken, dann kratz ich Deinen Rücken!"
Das ist keine Demokratie in meinen Augen und genau darum braucht die etablierte Politik eins in die Fresse und zwar mitten rein!
Sorry für meine Worte, ich grüße Dich trotzdem ganz herzlich und freue mich über Deinen Kommnetar.

Andrej