Sonntag, 26. April 2009

23 Jahre nach Tschernobyl!

Fast ein viertel Jahrhundert (ich danke meinen geneigten Lesern für die zahlreichen Hinweise darauf, dass 23 Jahre nicht fast ein halbes Jahrhundert sind, sondern eben nur ein viertel - es sei hiermit korrigiert und ich rufe ein freundliches "mea culpa" in die Runde!) ist die Katastrophe von Tschernobyl jetzt her. Damals führte eine Verkettung von technischem Versagen und menschlicher Verantwortungslosigkeit zu einer Reaktorschmelze mit katastrophalen Folgen für Menschen und Umwelt in weiten Teilen der Ukraine, Weißrußlands und Rußlands. Zeit zum Gedenken an den atomaren Super-GAU vom 26. April 1986, bei dem 500 mal mehr Radioaktivität freigesetzt wurde, als beim Abwurf der Atombombe über Hiroshima. Tausende und abertausende Menschen leiden bis heute an den Spätfolgen von Verstrahlung, die sie durch den radioaktiven Fallout erlitten haben, oder durch die Arbeiten zum Einschluß des havarierten Reaktors in einem "Sarkophag" aus Beton und Blei.

Der ukrainische Staatschef Juschtschenko spricht auf einer Gedenkveranstaltung von 25.000 Opfern der Reaktorexplosion ("23 Jahre Super-Gau - Tränen in Tschernobyl", Artikel auf n-tv.de vom 26.4.2009) und straft damit die Lobbyisten der Atomindustrie in Deutschland und Europa Lügen die behaupten, an den Folgen der radioaktiven Verseuchung sei nicht ein einziger Mensch gestorben! 2,3 Millionen Ukrainer leiden bis heute an den Folgen der Reaktorkatastrophe. Fehl und Mißbgeburten mit schwersten Behinderungen sind in der Ukraine und Weißrußland bis heute an der Tagesordnung und der radioaktiven Verseuchung weiter Landstriche durch den atomaren Fallout zuzuschreiben.

Sasha, ein Junge aus Tschernobyl. Würde ein Atomlobbyist ins Gesicht sagen, dass Atomkraft sicher ist?
Sasha, ein Junge aus Tschernobyl. Würde ein Atomlobbyist ihm ins Gesicht sagen, dass Atomkraft sicher ist?

218.000 Quadratkilometer Landfläche wurde mit mehr als 37.000 Becquerel (37 kBq) Cs-137 pro m² radioaktiv belastet. Auch 23 Jahre nach dem Unglück ist die 30-Kilometer-Sperrzone um das Kernkraftwerk noch immer nicht bewohnbar. Und das wird auch noch auf Jahrzehnte so bleiben! 70% des verseuchten Gebietes liegen in Rußland. Aber Rußland ist ja bekanntlich groß genug.

weiterführende Links:

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

will ja nicht besserwisserisch sein, aber ein halbes Jahrhundert ist Tschernobyl nicht her - eher ein viertel Jahrhundert. Tragisch war der Unfall allemal und gegen Atomkraft einzutreten ist mehr als redlich! Lg

Hukwa hat gesagt…

hallo thialf,
vor 23.jahren habe ich ein gedicht geschrieben. hier ist es:
abgelegenes dorf
oder
der gedichtete ernstfall

hier stehen die häuser
darinnen stehen noch die möbel
an der garderobe hängen noch die kleider
auf dem tisch steht noch das geschirr
hier steht das bücherregal
darinnen stehen noch die bücher
dort ist das kinderzimmer
auf dem boden liegen noch die spielsachen
da ist die küche
in den schränken stehen noch die konserven
hier ist der geräteschuppen
mit gartenwerkzeugen und rasenmäher
dreißig kilometer von hier
steht noch das atomkraftwerk
es strahlt noch immer.
gruß hukwa

Thialfi hat gesagt…

@Anonym, vielen Dank für den Hinweis und Deine letztendlich gewährte Zustimmung. Liebe Grüße auch Dir!

@Hukwa, super Gedicht, fast wäre mir in diesem Zusammenhang das Wort "schön" entschlüpft. Aber es ist, nun, bedrückend und treffend formuliert. Dank dafür, dass Du es hier in meinem Blog gepostet hast!
Viele liebe Grüße von Thialfi

Noah hat gesagt…

Und der Verkauf von Wahrhaftigkeit und der eigenen Seele um den Preis gefüllter Konten und des Lebens Anderer wird dann noch von Vielen als "Vernunft" etikettiert...

Thialfi hat gesagt…

Ach Noah, was ist schon Vernunft? Manchmal denke ich, wir sind alle blöd, weil wir nicht so skrupellos sind wie dieses Managerpack und/oder Politiker und/oder Banker und/oder... was weiss ich!
Aber nee, da bleib ich so wie ich bin und schlafe zwar hin und wieder mit Furcht vor dem Morgen, aber wenn ich mich beim rasieren im Spiegel betrachte (sofern ich meine Augen auf kriege), dann sehe ich einen (hoffentlich) halbwegs anständigen und (eventuell hin und wieder) vernünftigen Menschen vor mir und das ist ja schon mal was wert.
Euch geht es bestimmt auch so, Noah und Hukwa, Gundula, Gernot und alle, die ich hier nicht genannt habe und darum möge Frieden allezeit mit Euch sein,
liebe Grüße sendet Euch Andrej/Thialfi

Hukwa hat gesagt…

die verückten sind wohl die "anderen", jene, die unvernünftig sind, letztendlich muss jeder seine eigene vernunft finden, hat ja etwas mit wahrheit zu tun.wir sind doch einfach in dieser prekären lage gelandet, weil viele über ihren fortschrittsglauben die dazugehörende innere entwicklung vergessen haben. man hat versucht ein irdisches paradies aufzubauen und die bedürfnisse jener vergessen die darinnen leben müssen. nun sind wir im stadium der besessenheit des materiellen fortschritts, dem wir um seiner selbst willen anhaften und dieses anhaften droht die menschheit in den abgrund zu ziehen. und dennoch glaube ich an das wort "uns nährt die erde, uns nährt die hoffnung"
mit tiefenökologischen grüßen
hukwa

Thialfi hat gesagt…

Danke Hukwa, genau das ist es, was ich auch meine.
Manche Menschen denken eben einfach über ihren Horizont hinaus, sehen in die Tiefe ihres eigenen Selbst und in die Seele Gaias und sie erkennen das unendliche Leid, dass durch Selbstsucht, Gier und Machtstreben aber auch durch Dummheit und Selbstüberschätzung verursacht wird. Die Krux unseres Zeitalters ist wohl die Fixierung auf den Materialismus und den Glauben, alles sei Geld oder müsse zu Geld gemacht werden. Solange es noch so vielen Menschen vermeintlich so gut geht wie heute, solange wird sich daran nichts ändern.
Aber wenn unsere Mutter Erde dem Kommerz geopfert ist, wird man merken, dass man den Kapitalismus nicht fressen kann, sondern im Kapitalismus nur der frisst, der genug Geld dafür bezahlt.
Dies ist der Grund, warum ich wanderpredigend durch das www ziehe und die Menschen dazu aufrufe, die eigenen Ernährung in eigener Verantwortung zu sichern. Jedenfalls soweit dies möglich ist.
Grüße auch Dir, von Thialfi

Anonym hat gesagt…

Greenpeace hat zu dem traurigen Jahrestag auch eine Projektion an den Sarkophag von Tschernobyl geworfen:
http://www.greenpeace.de/themen/atomkraft/nachrichten/artikel/tschernobyl_bleibt_eine_mahnung/

Es wird Zeit, dass die Atomenergie endlich verschwindet!

Thialfi hat gesagt…

Nicht nur die Atomenergie, Anonym. Nicht nur die Atomenergie muss verschwindet, sondern auch die Gentechnik und noch etliche andere Sachen, die ausschließlich dem Profit der Konzerne dienen, aber niemals dem Wohle der Menchheit oder der Natur und erst recht nicht unserer Mutter, Gaia

Gernot H. hat gesagt…

Na ja, mich stimmt das immer nachdenklich - "die anderen Unvernünftigen" - ich lebe zwar bescheiden, doch laut div. Footprintberechnungen bräuchte ich immer noch mehr als eine Erde - z.B. mein Laptop, meine Nikon, meine iPods sind purer Luxus für die meisten Menschen auf dieser Erde - ich habe bis jetzt auf nichts verzichten müssen, was wirklich weh tut...

Thialfi hat gesagt…

Das mag schon richtig sein, Gernot. Aber letztendlich ist es doch so, dass Du, der die Probleme so wie einige andere Menschen in unserer Gesellschaft, ja genau erkannt hat und dagegen angeht durch eigenes Verhalten (z.B. intensive Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs, siehe: http://almende2.wordpress.com/2009/04/29/staunend/). Das ist schon einiges an Vorbildfunktion auch gegenüber denen, die der Meinung sind, die Welt gehöre ihnen, insbesondere das Wasser, das Erdöl, die Erde oder was auch immer.
Was sind da Dein iPod, Deine Nikon, oder Dein Laptop im Vergleich zu Porsche Cayenne, BMW X5, VW Touareg und dreimal jährlich zum Komasaufen nach Malle zu fliegen?
Sich zurück zu nehmen in seinem Konsum bedeutet nicht, asketisch leben zu müssen wie ein Einsiedlermönch.
Viel wichtiger ist doch, dass man den Menschen zeigt, es geht auch ohne diesen sinnlosen Luxus, es geht auch anders, wenn man nur will.
Aber, und das ist die Krux, die gesamte Wirtschaft ist darauf aufgebaut, dass der "Verbraucher" (was für ein passender Ausdruck für einen Menschen, der nicht nur die Ressourcen, sondern letztlich die gesamte Erde verbaucht) seinen Konsum ständig steigert. Da gibt es einfach keine nachhaltige Komponente in diesem kapitalistischen System, welches darauf aufbaut, dass die Ressourcen unerschöpflich sind (was sie ja erwiesenermaßen gerade nicht sind, aber das ist wohl leider noch immer nicht bis in alle Gehirne vorgedrungen).
Wenn wir, die wir hier bloggen, um Gaia, um Mutter Erde, die Welt zu schützen und sie vor der völligen Zerstörung bewahren wollen, dann müssen wir mit gutem Vorbild voran gehen und anderen zeigen, dass wir nicht ein Leben der Entbehrungen führen, sondern einfach nur halbwegs vernünftig leben.
Die Politik hat das immer noch nicht gerafft und so verhält sie sich auch. Bricht der Konsum zusammen, bricht die Wirtschaft zusammen, brechen die Steuern weg, leiden die Schwächsten der Gesellschaft, weil der Staat die Zuwendungen dort kürzt, wo er am wenigsten Widerstand erwartet.
Das hat nichts mit Nachhaltigkeit zu tun. Aber es ist auch nicht verwunderlich, weil die meisten Politiker überhaupt nicht begreifen, was unter Nachhaltigkeit eigentlich zu verstehen ist! Wen wundert´s, wenn das Hauptbestreben nach der Wahl nicht das Wohl des Volkes ist, sondern der Kampf um den Machterhalt?

lg Thialfi

Hukwa hat gesagt…

die menschen wollen wahrscheinlich gar nicht gemeinschaftlich leben
(gemeinschaftlich in einem ökosophischen sinne), würden sie endlich damit beginnen, müssten sie die alten wertsysteme ablegen und neue aufbauen.von der politik wird jeder gedanke an gemeinschaftlicher lebensform bewusst unterdrückt, eben wegen machterhaltungen! es ist wie die gelenkte wirtschaftskrise - die zu unserer wirtschaft gehörende massenarbeitslosigkeit ist letztendlich ein wohldurchdachter und kalkulierter bestandteil des systems, erzeugung nämlich von angst vor verlust des arbeitsplatzes. mit angst im rücken lassen sich die massen lenken, das hat die geschichte immer wieder bewiesen. so lange die masse ihr bewusstsein nicht positiv ändert, wird sich wohl nichts ändern. kleiner trost: einige haben sich schon geändert!
gruß hukwa

Thialfi hat gesagt…

So ist es, Hukwa, einige haben sich schon geändert, andere sind auf dem besten Wege dahin. Damit es immer mehr werden, die Änderung wollen und aktiv daran teilhaben möchten, müssen wir unsere Stimmen erschallen lassen und niemals verstummen.
Ja, es ist in der Tat so, die Politik erzeugt Angst und Angst ermöglicht es den Politikern zu herrschen. Es ist die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, die Angst davor, später nicht genug Rente zu bekommen. Dazu die Angst vor einem Zerfall des Gesundheitssystems, vor der Umweltzerstörung, dem Klimawandel, dem Ozonloch, der Gentechnik, der Atomkraft und den in immer astronomischere Höhen steigenden Bezinpreis.
Es ist eine Klaviatur, auf der die Politiker virtuos zu spielen verstehen und die Bürger trauen sich nicht dagegen aufzustehen.
Sie suchen Sündenböcke und auch die liefert ihnen die Politik, die Linken, die Schwulen, die Ausländer.
Wenn es stimmt, dass ein Volk immer genau die Regierung hat, die es verdient, dann muss man sich in unserem Fall schon fragen:"Ihr Götter, Buddha, wer auch immer, was haben wir verbrochen, dass wir ausgerechnet diese Regierung haben?"
Schönes Wochenende noch wünscht Thialfi

Hukwa hat gesagt…

manchmal machen einem die zustände einfach SPRACHLOS:

nachdem mich mein vaterland verlassen hat
suchte ich zuspruch bei meiner muttersprache
sie stillte mich lange
gab mir brecht und heine
leibnitz hegel und schopenhauer
sie gab mir behausung und nahrung
als ich gestärkt aus ihr hervorging
als ich anfing mich von ihr abzunabeln
als ich begann die zustände dieses landes
in der muttersprache zu beschreiben
machte sie mich
SPRACHLOS.
gruß hukwa

Thialfi hat gesagt…

Sprachlos kann einen die Situation schon manchmal machen. Sie darf nur nicht dazu führen, dass wir verstummen, auf Dauer verstummen!

Gruß von Thialfi