Sonntag, 19. April 2009

Landwirtschaft von morgen (Teil3)

Des weisen Masanobu Fukuokas Credo war:

Jeder kann 1.000-Quadratmeter-Bauer werden!

1.000 Quadratmeter, die auseichend sind, um eine Familie mit dem zu versorgen, was sie zum Leben braucht. Vielleicht können es an dem ein oder anderen Ort auf dieser Erde etwas mehr sein, je nachdem, wie fruchtbar oder gebirgig oder steinig der Boden ist. Aber in aller Regel sind 1.000 qm ausreichend.

Betrachten wir einmal, wie Fukuoka sich das Leben als 1.000-Quadratmeter-Bauer vorstellte und wie er selbst es lebte, als Beispiel für andere Menschen, die ihn in seinem fruchtbaren Obstagrten besuchten und einige Zeit bei ihm lebten und arbeiteten, um von ihm zu lernen. Masanobu Fukuoka sagte von sich selbst immer, er sei kein Lehrer. Aber vermutlich war er viel zu bescheiden um einzugestehen, dass die Menschen, die seine Bücher lasen und auch heute noch lesen oder die, welche zu ihm nach Japan reisten, um eine zeitlang in seinem Garten zu leben, ihn als einen solchen betrachten. Er versuchte die Menschen Bescheidenheit zu lehren und Selbstbeschränkung, ohne an Lebensqualität zu verlieren. Seine Bücher sind eine Schatzkiste des Wissens und der Weisheit vieler Jahrzehnte eines erfüllten Lebens.

Ihr seht, ich bewundere diesen kleinen und unscheinbaren Mann, der seinen Beruf als Pflanzenpathologe aufgab, um Bauer zu werden. Diesen Schritt zu wagen, dazu gehört nicht nur Mut, sondern auch viel Vertrauen in die Natur und das göttliche Wesen der Mutter Erde. Er hatte dieses Vertrauen und er hat immer versucht sein Wissen weiter zu geben, damit die Menschen aus seinen Erfahrungen lernen können und die Versorgung der Menschheit mit gesunder Nahrung auch in der Zukunft sicher zu stellen, trotz einer weiter wachsenden Zahl von Menschen! Aber er wies auch immer darauf hin, dass es falsch sei, sich von ihm Patentrezepte zu erwarten, die universelle Gültigkeit hatten. Fukuoka erklärte den Menschen immer, sie müssten die Natur beobachten und dann die notwendigen Schlüsse daraus ziehen, welche Pflanzen gut zusammen gedeihen, wann der richtige Zeitpunkt der Aussaat ist und wie man dafür sorgt, dass der Boden nicht auslaugt.

Fukuoka lebte in einem großen Obstgarten, den er später mit seinem Sohn teilte, weil er die Bewirtschaftung im Alter nicht mehr allein schaffte. Unter den Bäumen laufen Hühner frei herum. Überall wächst halbwildes Gemüse (mehrjähriges, das sich selber aussät, wenn man nicht alles aberntet), z. B. der Daikon-Rettich. Der Boden ist mit Klee bedeckt, der die Erde schützt und alte Reissorten werden angepflanzt. Hier wird nicht gepflügt, oder die Erde gewendet. Es wird auch kein Kunstdünger oder zubereiteter Kompost ausgebracht, noch Schädlingsbekämpfungsmittel oder andere Gifte und Chemikalien versprüht. Dies ist das, was Masanobu Fukuoka als die "Nichts-Tun-Landwirtschaft" bezeichnete. Es wäre fatal, dieses "Nichts-Tun" mit Faulenzen gleich zu setzen. Die wahre Bedeutung des Begriffes liegt darin, dass man nicht viel mehr tun muss, als zu säen und zu ernten. Alles andere macht die Natur für den Bauern. Mehr ist auch garnicht nötig. Unkraut jäten ist überflüssig. Man bedeckt den Boden mit Klee der, zusammen mit Wintergetreide, in die reifende Reissaat gestreut wird. Nach der Ernte des Reises, liess ihn Masanobu Fukuoka drei Tage trocknen, bevor er ihn drosch und das Stroh dann anschließend ungeschnitten über den Feldern verteilte. Auch Hühnermist, so er welchen zur Hand hatte, verteilte er dann über dem Stroh. Anschließend formte er Tonkügelchen mit Reissamen, verteilte diese vor Neujahr auf dem Stroh und die Arbeit (dies ist seine "Nichts-Tun-Landwirtschaft" für seinen Garten in Japan gewesen) bis zur nächsten Ernte war erledigt. Mit dieser Methode erntete er jedes Jahr nahezu 22 Büschel (entspricht etwa 1.170 Pfund Wintergetreide) und etwa 22 Büschel Reis auf 1.000 qm. Fukuoka war sicher, die Erträge auf bis zu 33 Büschel je 1.000 qm steigern zu können. Diese Menge liegt im Bereich der Erträge, die mit teuren Hybridsaaten unter Einsatz großer Mengen Dünger, Pflanzenschutzmitteln und Energie (für die Maschinen) zu erzielen sind. Aber um welchen Preis? Masanobu Fukuoka erklärte, die Arbeit von ein oder zwei Leuten reiche aus, um auf 1.000 qm Feldfrüchte anzubauen.

Sieht man sich dieses System an, so kommt man zu dem Schluss, dass es sich um Permakultur in ihrer reinsten Form handelt, um "permanente Agrikultur" eben. Fukuoka ging ganz gezielt einen anderen Weg, als ihn die Verfechter der industrialisierten Landwirtschaft beschreiten. Die tun dies und tun das, spritzen hier und jäten da, düngen fleißig und pflügen was das Zeug hält! Fukuoka dachte nach, beobachtete die Natur und ihre Zusammenhänge und ließ dann weg, was er für überflüssig hielt. So reduzierte er nicht nur die Arbeit, sondern senkte auch die Ausgaben! Und im Ergebnis gaben ihm nicht nur seine Erträge recht, sondern auch die hervorragende Qualität seines Bodens, die voller nützlicher Insekten, Bakterien und anderer Lebewesen war, vom Regenwurm bis hin zum Maulwurf oder Kaninchen. Seine Grüne Philosophie zerstört nicht die Natur, den Boden und vernichtet auch nicht die Tiere, die zusammen ein stabiles System bilden, dass nicht von Krankheiten oder Schädlingsbefall vernichtet werden kann.

Schädlinge oder Krankheiten treten zwar überall auf, aber sie werden nur dort zu einer Bedrohung, wo Pflanzen in Monokultur angebaut, wo Tiere im KZ in Massentierhaltung gefoltert werden. Jeder sollte versuchen, sich ein Stück Land zu pachten/kaufen um darauf die Nahrung anzubauen, die er zur Ernährung seiner Familie benötigt. In der Stadt ist dies natürlich nicht so einfach. Auf dem platten Lande und in den Vororten ist es dagegen schon einfacher, ein Äckerle oder einen größeren Garten zu ergattern. 1.000 qm kosten zumindest in Pacht ja nun nicht gerade die Welt, wenn man sich kein Bauerwartungsland ausgesucht hat, das man nach kurzer Zeit wieder räumen muss. Ein Kleingarten in einer Anlage ist aber in aller Regel zu klein. Die Grundstücksgrößen liegen hier bei etwa 300 qm (jedenfalls hier in Baden) und die Verpflichtung, eine Hütte darauf zu stellen, schmälert den Grund noch zusätzlich. Außerdem hat der ein oder andere seine Probleme mit der unvermeidlichen "Vereinsmeierei" in solchen Kleingartenvereinen.

Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es den bösen Nachbarn nicht gefällt!

Also, werdet 1.000-Quadratmeter-Bauern und macht Euch unabhängig von schwankenden Nahrungsmittelpreisen. Baut gentechnikfreie Saaten an und erzeugt gentechnikfreie Nahrung. Dann braucht Ihr nicht auf die Ehrlichkeit der Lebensmittelkonzerne à la Néstle zu vertrauen oder darauf, dass Müller seine Kühe nicht mehr mit Tierfutter mit Genpflanzen füttert. Dann habt Ihr es selbst in der Hand und mit dem gesparten Geld könnt Ihr vernünftigeres anfangen. Vielleicht habt Ihr dann sogar den ein oder anderen Euro übrig, den Ihr für wohltätige Zwecke spenden wollt. Oder steckt ein paar Euros in Guerilla Gardening-Aktionen in Eurer Stadt und sorgt dafür, dass die Natur zurückkehrt in die Betonwüsten!

Kommentare:

Hukwa hat gesagt…

"alle dinge der schöpfung sind heilig, vergeßt das nicht.jeder morgen ist heilig, so wie jeder tag ein heiliges ereignis ist, den das licht des tages wurde von eurem vater, wakan tanka - gesandt - bedenkt auch, daß alle geschöpfe dieser welt heilig sind und so behandelt werden sollten."
Black Elk - die heilige Pfeife
gruß hukwa

Thialfi hat gesagt…

Wunderbare Worte - habe dem nichts hinzu zu fügen!
Gruß Thialfi

Hukwa hat gesagt…

"wirklich verstehen heißt nicht all die fakten kennen, mit denen euch eure lehrer und schulbücher ständig überschütten. verstehen fängt bei liebe und achtung an, achtung vor dem großen geist; und der große geist wiederum ist das leben, das in allen dingen steckt -in allen lebewesen und pflanzen, ja selbst in steinen und mineralien."
from Rolling Thunder.
Gruss hukwa

Thialfi hat gesagt…

Vielen Dank für Deinen Kommentar Hukwa. Es ist wichtig und richtig mit dem Herzen und der Seele zu sehen. Die Augen können Dich täuschen, der Schein Dich blenden.
Wer die wahre Natur sehen will, der darf sich nicht auf seine Augen verlassen.
Thialfi