Freitag, 31. Oktober 2008

Können wir Verzicht lernen um die Natur zu retten?

Betrachtet man die Welt und den Umgang der Menschen mit ihr, so muss jedem halbwegs vernünftigen Menschen das Herz vor Angst bis zum Halse schlagen. Jeder auch nur halbwegs geeignete Flecken Erde wird weltweit - ob sinnvoll oder nicht - zur Erzeugung von Nahrungs- und Energiepflanzen in Ackerfläche umgewamdelt. Wälder werden abgeholzt und zwar so schnell, dass sie keine Chance haben nach zu wachsen. Dann reißen wir mit riesigen Maschinen den Boden auf, zerkleinern und bearbeiten ihn inklusive aller darin lebenden Tiere und Bakterien, bis nichts mehr lebt. Dann schmeißen wir Unmengen von Dünger und sogenannte Pflanzenschutzmittel auf die Saat und wässern sie mit allem zur Verfügung stehenden Wasser, um sie reifen zu lassen. Die letzten Reste der Natur jedoch gehen dabei vor die Hunde. Und die Felder und Ackerflächen, die auf diese Weise entstanden sind, werden immer ärmer und asugelaugter und verlangen nach immer mehr maschinellem Einsatz, mehr Dünger, mehr Energie, mehr Gift, um Nahrungsmittel von zweifelhafter Qualität herzustellen. Oder wir Bauen Energiepflanzen an, deren Produktion mehr finanziellen Gewinn verspricht und verdrängen dadurch die Bauern, die Nahrungsmittel anbauen (das gilt besonders für die Länder der sogenannten Dritten Welt) in bisher von der Landwirtschaft nicht genutzte Naturgebiete ab!
Die Frage die sich hier stellt, die aber eigentlich gar keine ist: "Glaubt tatsächlich jemand, wir könnten wir ewig so weiter machen?" Wohl kaum! Und trotz allem tun wir es doch! Wir haben nur eine Erde und doch gehen wir mit ihr um, als hätten wir mindestens noch eine weitere in Reserve!
Was für Möglichkeiten haben wir also, um aus diesemTeufelskreis zu entkommen? Nun, da gibt es zwar keine Ideallösung, aber wir sollten uns ernsthafte Gedanken darüber mache, ob wir die Idee des vertical farming nicht für uns und die letzten Reste der Natur nutzen können?
Wo wird die meiste Nahrung gebraucht? Wo benötigen wir die meiste Energie? Selbstverständlich in den städtischen Ballungszentren. Was liegt also näher, als Nahrung und Energie direkt in oder bei diesen Zentren zu erzeugen - in sogenannten vertical farms (in Hochhäusern also, die als landwirtschaftliche Produktionszentren genutzt werden und dementsprechend konzipiert sind, die aber auch in der Lage sind Energieüberschüsse zu erwirtschaften).
Das soll nicht heissen, dass sämtliche landwirtschaftlichen Betriebe abgeschafft werden sollen, egal ob sie nun natürlich, ökologisch oder auch (noch) konventionell betrieben werden. Aber so können wir verhindern, dass immer mehr Natur dem Anbau von Nahrungs- und Energiepflanzen zumOpfer fällt, ohne dass das eigentliche Problem gelöst werden könnte. Die Masse er Bevölkerung kann sich keine Bioprodukte leisten, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Überhaupt ist es nicht möglich so viel Bionahrung anzubauen, dass alle Menschen damit ernährt werden könnten, selbst wenn diese es wollten und sich dies leisten könnten.
Aber wichtig ist doch, dass wir die Kontrolle über unsere Nahrungsmittelerzeugung behalten und nicht in die Hände raffgieriger Genkonzerne fallen lassen, die letztlich darüber entscheiden wollen, wer Nahrung erhält und wer hungern muss, wenn niemand sie an der Durchsetzung ihrer Pläne hindert - die Erlangung der Kontrolle über die Nahrungsmittelerzeugung. Auf diesem Wege sind sie schon ein ganzes Stück voran gekommen. Der Vorreiter dabei ist der US-Konzern Monsanto, der im Jahr 2006 ein Unternehmen gekauft hat, welches an der Entwicklung einer "Terminator-Technologie" gearbeitet hat, dass die Samen von Nutz- und Nahrungspflanzen unfruchtbar macht. Es ist mit dieser Technologie nicht mehr möglich einen Teil der Ernte aufzubewahren und im nächsten Jahr neu auszusäen, da die Samen unfruchtbar sind.
Der Bauer, der sich mit diesem Konzern einlässt, muss sich mit dem Gedanken auseinander setzen, jedes Jahr neues Saatgut von dem Konzern zu kaufen und dieses mit speziellen, ebenfalls dort zu beziehenden Dünge- ud Pflanzenschutzmitteln, zu besprühen um es keimfähig zu machen und eine gute Ernte zu erzielen. Schöne neue Gentechwelt! Glaubt wirklich jemand, diese Konzerne sorgten sich um die Ernährung der Weltbevölkerung? Sie sorgen sich um unser Geld und sind der Meinung, es sei am besten in deren eigenen Taschen aufgehoben! Und wer kein Geld hat, der soll sehen wo er bleibt.
Das erinnert mich fatal an eine Geschichte, die mir meine Mutter einmal erzählt hat. Sie ist im sog. "Dritten Reich" aufgewachsen, also unter der NS-Diktatur. Dort wurde in den Schulen ein "Gebet" gesprochen, welches folgendermaßen lautete:
"Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen. Lass uns, Herr,
das nie vergessen!"
Eigentlich dachte ich bisher, diese unsägliche geschichtliche Ära, dieses dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte sei wenigstens teilweise überwunden. Offensichtlich habe ich mich getäuscht! Denn in der "freien" Wirtschaft kann sich solches Gedankengut offenbar durchaus halten und verbreiten.
weiterführende Links:

Kommentare:

Macht alle mit! hat gesagt…

Das Thema "Freie Saat" ist sehr wichtig. Besonders auch der Erhalt der alten Sorten. Durch den Anbaau von spezielle gekreuzten Sorten, den Hybrid-Sorten können Bauern schon heute vielerorts kein eigenes Saatgut aufbewahren :-(

Thialfi hat gesagt…

Du sagst es überdeutlich. Dem Treiben der Genkonzerne muss man einen Riegel vorschieben!

Liebe Grüße von Thialfi