Dienstag, 20. Januar 2009

Menschenrechte in Russland?

Wieder einmal wurden mitten in Moskau Menschen auf offener Strasse ermordet, die sich für die Menschenrechte engagiert haben. Wie weit Rußland davon entfernt ist, einen "normale" Demokratie zu sein, zeigt nicht erst dieser Vorfall, über den Focus-Online am 20.1.2009 unter der Überschrift "Moskau: Menschenrechtsanwalt auf offener Straße erschossen" berichtet. Der bekannte Anwalt Stanislaw Markelow und die ihn begleitende Journalistin Anastasja Baburowa, wurden nach einer Pressekonferenz niedergeschossen. Während Markelow durch einen Kopfschuß regelrecht hingerichtet wurde, erlitt Baburowa schwere Schußverletzungen, denen sie im Krankenhaus erlag. Etliche Passanten wurden Augenzeugen dieses unfassbaren Vorfalls.

Wer sich in Rußland für die Menschenrechte einsetzt, lebt äußerst gefährlich. Das mußten schon andere Opfer vor den beiden nun Ermordeten erfahren.

Stanislaw Markelow hatte sich einen russischen Offizier (und seine Hintermänner) zum Feind gemacht, der im Tschtschenienkrieg ein Mädchen getötet hatte und deswegen im Jahr 2003 zu 10 Jahren Lagerhaft verurteilt worden war. Mitte Januar sollte dieser Offizier, sein Name ist Juri Budanow, vorzeitig aus der Haft entlassen werden. Das Makelow dies kritisierte und aktiv dagegen eintrat, wurde ihm nun vermutlich zum Verhängnis. Daneben hat er viele weitere Menschen rechtlich vertreten, die sich als Opfer staatlicher Willkür sahen. Nicola Duckworth, bei amnesty international zuständig für Rußland betonte, Markelow sei wahrscheinlich Opfer seines Berufes und seines mutigen Einsatzes für die Menschenrechte geworden.

Anastasja Baburowa hatte für die kremlkritische Zeitung "Nowaja Gaseta" gearbeitet, genauso wie die Journalistin Anna Politkowskaja, die bereits im Jahre 2006 vor ihrer Wohnung in Moskau ermordet worden ist. Hier wie dort sind der/die Täter nicht gefasst worden. Man kann sich schon die Frage stellen, wer hinter den Morden steht, die nur Menschen treffen, die der Regierung kritisch gegenüber stehen? Die netzeitung schreibt am 20.1.2009 unter "Eine Schande für Russland: Trauer nach Mord an Menschenrechtler", Markelow sei bereits im Jahr 2004 schon einmal überfallen und zusammengeschalegen worden. Damals seien ihm Unterlagen zum Fall Anna Politkowskaja gestohlen worden, die damals schon Drohungen erhalten hatte und um ihr Leben fürchten musste.

Vielleicht ist der Wille, die Taten aufzuklären garnicht da, weil man damit rechnen muss, dass die Spuren der Täter bis in höchste russische Regierungskreise führen.

weiterführende Links:

Kommentare:

Matthias hat gesagt…

Also wieder Neues aus der 'lupenreinen Demokratie'. Ich würde mich ja gerne mit einem Ballistiker unterhalten. Ob der mir erklären könnte, warum die Kugeln in Russland so häufig in die Köpfe von Menschenrechtsanwälten und kritischen Journalisten fliegen? Meine weiteren Gedanken zum Thema:
hier
http://www.gedankenpflug.com/article-26972580.html

Thialfi hat gesagt…

Friede sei mit Dir Matthias,
das ist in der Tat interessant mit der Ballistik, aber trotz allem ist es tragisch, was in Russland geschieht und anderswo auf der Welt. Ist´s auch Wahnsinn, so hat es doch Methode, wie es scheint! Kritiker mundtot gemacht mit einem schuß in den Kopf - ein probates Mittel wie man sieht. Aber dazu schweigen wäre ein großer Fehler!
Dein Blog ist auch sehr interessant, mach weiter so.

Liebe Grüsse von Thialfi